Stressbedingtes Sodbrennen - So hilft Entspannung
Entspannung - Ruhe aus der Mitte |
Sodbrennen ist ein brennend-schmerzhafte Gefühl, oft unterhalb der Rippenbogens (eher links) und hinter dem Brustbein. Möglich ist auch, dass die Schmerzen weit ausstrahlen, z. B. bis in den linken Arm (manchmal als Herzinfarkt fehldiagnostiziert). Grund der Schmerzen ist die Reizung der zarten Speiseröhren-Schleimhaut durch vom Magen in die Speiseröhre (griech. "Ösophagus") zurückfließenden, säurehaltigen Magensaft (lat. "Reflux"). Dies passiert zwar bei jeder/m täglich, besonders nach dem Essen. Zu Sodbrennen kommt es aber erst, wenn zuviel des aggressiven Saftes die Speiseröhre belastet.
Fast alle Menschen kennen gelegentliches Sodbrennen: Einige Zeit nach einem schweren Essen, oft auch mit viel Alkohol, steigt ein unangenehm ziehendes, quälendes Sodbrennen hinter dem Brustbein auf. Auch Stress und Zigaretten können im Spiel sein.
Tägliches Sodbrennen hat jedoch andere Ursachen: Nämlich die chronische Reflux-Krankheit. Hierbei arbeitet entweder der ventilartige Verschluss-Muskelring zwischen Speiseröhre zum Magen (griech. "Sphinkter") nicht korrekt. Oder die besonders aus Muskeln bestehende Speiseröhre kann sich durch ihre Eigenbewegung (griech. "Peristaltik") nicht rasch genug selbst reinigen. Z. B. von zurückgeflossenem saurem Magensaft. Gründe hierfür sind u. a.
- gestörte Speiseröhren-Funktion, z. B. durch Stress, Schlafmangel, Schichtarbeit, Jet-Lag (nach Fernreisen)
- Medikamente (viele Mittel gegen Rheuma, Asthma, hohe Blutfette u. a.)
- Schwangerschaft (durch das schwangerschaftserhaltende Hormon Gestagen)
- angeborene Veränderungen im Bereich des Verschlussmuskels
- Aufweitungen des Zwerchfells (Atemmuskel unter der Lunge) dort, wo die Speiseröhre vom Brust- in den Bauchraum übertritt (lat. "Hiatus-Hernie")
Ärzte verordnen bei Sodbrennen fast reflexartig und ohne eingehende Untersuchung Medikamente, die die Säurebildung im Magen praktisch ausschalten. Eine individuelle Behandlung beginnt jedoch mit einer korrekten Diagnose (oft also: Reflux-Krankheit). Und der Feststellung der Ursachen (oft z. B. Stress). Erst dann ist eine persönlich und anhaltend wirksame Behandlung möglich. Hierzu gehören:
- Ernährungsumstellung (z. B. weniger Kaffee oder schwere, fette Mahlzeiten), magenfreundlichen Pfefferminztee trinken (3x tägl. 1 Tasse), mehr körperliche Bewegung, Kopfende des Bettes etwas erhöhen (verringert Nachts den Reflux).
- Erlernen und tägliches Anwenden von Anti-Stress-Techniken (siehe Kasten)
- Moderne Medikamenten-Wirkstoffe mit Algeldrat (z. B. in Maaloxan®) machen ein Zuviel an aggressiver Magensäure unschädlich und schützen effektiv die Schleimhaut. Und zwar ganz gezielt, nach Bedarf. Zudem fördern sie die Heilung der gereizten Schleimhaut von Speiseröhre und Magen.
- Bei sehr starker, chronischer Refluxkrankheit mit entzündeter Speiseröhre müssen hochwirksame Säureblocker eingenommen werden. Viele sind jedoch nicht zur Langzeitbehandlung zugelassen (v. a. wegen noch unbekannter Nebenwirkungen).
- Eine Alternative bei vorhersehbarer, lebenslanger Medikamenten-Einnahme ist die minimal-invasive Anti-Reflux-Operation (zahlt die Kasse). Bei rund 9 von 10 Operierten sind nachher die Beschwerden weg, Medikamente nicht mehr nötig.
Wege zur inneren Gelassenheit
Belastender Dauerstress, so sagt der Stressexperte, Sportwissenschaftler und Psychotherapeut Dr. Gerd Helmer von der Deutschen Sporthochschule, Köln, führt zu einer inneren Verkrampfung. Und dabei zu einer gestörten Überfunktion der Verdauungsorgane mit verstärkter Magensäure-Bildung, Sodbrennen oder Magenschmerzen. Folgende Übungen für Sodbrennen-Patienten tragen wirksam zum Stress-Abbau bei:
Entspannungs-Verfahren Wichtig sind das Autogene Training, progressive Muskel-Entspannung nach Jacobson oder Yoga. Kurse bieten z. B. Volkshochschulen, Krankenkassen, Ärzte oder Psychologen an.
Atem-Übungen Viele Menschen atmen zu flach, sagt Helmer, und benutzen kaum die sog. tiefe Bauch- oder Zwerchfell-Atmung. Täglich bewusste tiefe Zwerchfell-Atmung hat aber bei Sodbrennen heilende Wirkungen: Nicht nur, weil die Muskeln von Speiseröhre und Magen dadurch "massiert" und angeregt werden (wie auch durch regelmäßigen Sport!). Sondern auch, weil das Sonnengeflecht (lat. "Plexus solaris"), eine zentrale Nerven-Schaltstelle knapp unterhalb des Brustbeins, kräftig stimuliert wird. Und damit Funktionsstörungen auch der Speiseröhre aktiv bekämpft. Legen Sie sich hierzu am besten 2x täglich für 5 Minuten hin. Mit einer Hand auf dem Bauch versuchen Sie nun bewusst "in den Bauch" zu atmen und mit der Hand die Bewegung Ihres Bauches zu spüren. Schalten Sie ruhig zwischendurch kurz auf Brustkorb-Atmung um, damit Sie den Unterschied merken. Nach 1-2 Wochen Übung können Sie dann auch im Sitzen oder Stehen "bauchatmen". Lassen Sie es sich zur Angewohnheit werden, mind. 5x täglich für 2-3 Minuten bewusst in den Bauch zu atmen. Allmählich wird Ihr Körper es dann ganz von alleine tun.
Körper-Übung Die einfachste Übung, um Speiseröhre und Magen von außen zu aktivieren, ist: 3 Min. langsames und genüssliches Strecken, Dehnen und Gähnen, wie Sie es z. B. von Ihrer Katze her kennen, 4x täglich. Mit asiatischen Techniken wie die 5-Tiere-Übung (lernen Sie z. B. in einem Qi-Gong-Kurs in Ihrem Sportverein oder anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung) bewirken Sie eine ähnliche entspannende Harmonisierung des Verdauungssystems.
Meditation Innerlich ganz zur Ruhe kommen, sich auf den Lauf des eigenen Atems konzentrieren, allmählich stressige Gedanken abschalten - das ist Meditation (1x täglich, 20 Min.). Das muss nicht im Lotussitz passieren, auch ein Stuhl oder Sessel ist gut. Tipp: Stören laute Geräusche, helfen preiswerte Ohrstöpsel dabei, den Lärm und damit einen Auslöser von Stress wirksam abzuschalten.
Musik Schon 15 Minuten täglich entspannende klassische Musik zu hören, verringert die Stressbelastung eines Menschen (niemals beim Autofahren!!!). Noch angenehmer wird es mit einem ätherischen Duftöl, besonders aus entspannend wirkendem Lavendel.
Wichtig Bei der Refluxkrankheit kann Mageninhalt bis zum Kehlkopf und sogar in die Lunge fließen. Folgen: Häufige Heiserkeit, Zahnfäule (Karies) oder - auch bei Kindern! - chronisches Asthma. Nicht immer haben die Betroffenen dabei Sodbrennen (="stiller Reflux").
Geldschneiden Ärzte benutzen zur "Diagnose" der Refluxkrankheit gerne die Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Kosten: ab 50 € aufwärts). Völlig sinnlos, denn: Im besten Fall ist nur eine Reizung und Entzündung der Schleimhaut zu entdecken. Auch krankmachender Stress ist so nicht nachweisbar. Ob wirklich eine Refluxkrankheit vorliegt, zeigt erst eine Messung der Säurebelastung in der Speiseröhre über 24 Stunden (24-Stunden-pH-Metrie), die Druckmessungen (Ösophagus-Manometrie) in dem Organ und andere Spezialtests.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, 2005.
- Abbildung: Klosterfrau Gesundheitsservice.
Weitere Infos hier bei Sodbrennen-Welt.de:
- Serie von Dr. Helmer: Entspannung für Magen und Darm in 13 Teilen
- Bosseckert H, Bubenzer RH: Antazida - Therapieprinzip mit breitem Wirkspektrum. Dtsch Apoth Ztg. 2004 Feb 19;144(8): 857-63 (Volltext).
- Wann Menschen mit Magen-/Sodbrennenproblemen zum Arzt müssen: "Was ist Ihnen denn auf den Magen geschlagen?"