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Aluminiumhydroxid als "Wirkungsverstärker" von Impfstoffen
Aluminiumhydroxid als "Wirkungsverstärker" vieler Impfstoffe |
Adjuvantien (lat. von adiuvare - unterstützen, helfen) sind Bestandteile von Arzneien, die die Wirkung der Hauptwirkstoffe eines Mittels unterstützen. Aluminiumhydroxid, ein Bestandteil des Antazidums Maaloxan®, ist z. B. ein bedeutendes Adjuvans von Impfstoffen. Im wesentlichen optimiert Aluminiumhydroxid die Immunantwort und hebt die Immuntoleranz auf (=ausbleibende Reaktion auf die Impfstoffe). Die komplexen Vorgänge dabei sind, ebenso wie die, über die Säureneutralisation bei der Therapie von z. B. Refluxbeschwerden oder Magengeschwüren hinausgehenden, heilungsfördernden Effekte von Aluminiumhydroxid, weitgehend unerforscht.
Aluminiumsalze insgesamt induzieren Hyperzellularität und parakortikale Vergrößerung der Lymphknoten durch einen vergrößerten Influx der Blutlymphozyten in den Lymphknoten, auch Lymphozyten-Trapping genannt. Durch die beginnende Freisetzung von Mediatoren wird gewährleistet, dass Antigen-erkennende Zellen das gewünschte Antigen in der korrekten Umgebung erkennen [1]. Gut ist dies auch für Aluminiumhydroxid-Adjuvantien selbst belegt: Sie stimulieren über Th2-Zellen eine verstärkte IgG1- und IgE-Antwort; auch die IL-4, 5 und 6 sowie IL-4 induzierende Immunmechanismen dirigieren das Immunsystem in diese Richtung. Interessant ist, daß diese Lymphokine ebenfalls das Immunsystem der Mukosa, insbesondere die Bildung von Antikörpern der Klasse IgA, stimulieren, was für die Entwicklung oral wirkender Vakzinen von Bedeutung ist [2]. Neuere Forschungen zeigen, dass Aluminiumhydroxid Monozyten direkt dazu anregt, proinflammatorische Zytokine zu bilden, die T-Zellen aktivieren können. Aktivierte Th2-Zellen wiederum setzen IL-4 frei, das seinerseits einen Anstieg der Expression von MHC-Klasse-II-Moleküle auf Monozyten induziert. Dieser Anstieg in der Expression von antigen-präsentierenden und kostimulierenden Molekülen führt zu verbesserten akzessorischen Monozytenfunktionen, was als mögliche Erklärung der potenten adjuvanten Effekte von Aluminiumhydroxid dienen könnte [3].
Dass Aluminiumhydroxid z. B. eine beschleunigte und optimierte Ulcusheilung der Magenschleimhaut bewirkt, wird - wie die immunologischen Effekte - teilweise auf eine direkte Aktivierung jener Gene zurückgeführt, die für die Expression von Wachstumsfaktoren einerseits, bzw. Monozyten-Funktionen andererseits verantwortlich sind [4]. Obwohl beide Studienzweige - die adjuvanten Fähigkeiten von Aluminiumhydroxid in der Immunologie und die erweiterten therapeutischen Kapazitäten in der Gastroenterologie bislang nicht zusammen untersucht worden sind, unterstützen die vielfältigen immunologischen Arbeiten zu Aluminiumhydroxid die Annahme, dass das Antazidum eine weitaus breitere Wirkungsbasis hat als nur effektiv Säure neutralisieren zu können [5].
- [1] Ven, H v. d.: Zur Wirksamkeit verschiedener Adjuvantien in bakteriellen bestandsspezifischen Vakzinen für Puten. Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2002 (Volltext).
- [2] Maurer D: Allgemeine Impffragen. Infektiologie. Universimed Verlag Wien, 1.1.1999.
- [3] Ulanova M, Tarkowski A, Hahn-Zoric M, Hanson LA: The Common vaccine adjuvant aluminum hydroxide up-regulates accessory properties of human monocytes via an interleukin-4-dependent mechanism. Infect Immun. 2001 Feb;69(2):1151-9 (Medline, Volltext).
- [4] Tarnawski AS, Tomikawa M, Ohta M, Sarfeh IJ: Antacid talcid activates in gastric mucosa genes encoding for EGF and its receptor. The molecular basis for its ulcer healing action. J Physiol Paris. 2000 Mar-Apr;94(2):93-8(Medline).
- [5] Bosseckert H, Bubenzer RH: Antazida - Therapieprinzip mit breitem Wirkspektrum. Dtsch Apoth Ztg. 2004 Feb 19;144(8): 857-63 (Volltext bei Sodbrennen-Welt.de).
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